Zur Hompage Bernd Kebelmann

 

Gedanken begreifen die Formensprache



Bildhauerkunst schafft fassbare Dinge, die voll Ideen und Gedanken, voller Empfindungen stecken. Wie finden wir sie heraus, wie entdecken wir mit ihrer Hilfe etwas von unserer Umwelt auf neue, tastende Weise?
No idea but in things, schrieb William Carlos Williams.
Nur in den Dingen sind unsere Ideen greifbar.

Das Begreifen von Kunst ist kein heilendes, aber ein wirksames Mittel der Auseinandersetzung mit unserer Realität, mit dem wachsenden Trend zur Flucht in virtuelle Welten. Dazu ist es hilfreich, erforderlich, die musealen Tabus der Berührung, die körperliche Distanz zu den Kunstwerken zu überwinden.
Bildhauerkunst kann schön sein. Ist Schönheit nur etwas für unsere Augen? Ist es kein schönes Gefühl, mit unseren Händen zu fühlen, eine Sache im Griff zu haben, jemand im Arm zu halten? - Das menschliche Maß ist die Nähe.
Wer den anderen verstehen möchte, muss ihm erst nahe kommen. Wer in die Dinge hineinsehen, durch sie hindurchschauen will, muss herantreten, um zu begreifen.


Alles Entdecken, Erfinden beginnt auch hier mit dem Sammeln, dem sammeln von Eindrücken, Fakten, Informationen. Information aber ist nichts anderes, als in Formen gefasste Erfahrung. Im besten Fall ist sie fassbare Form geworden, greifbare Wirklichkeit oder ein Stück davon, ein von ihr abgeschlagenes Stück, lateinisch „Sculptur" genannt.
Ich mache mich an meiner Hände Arbeit, tastend den entdeckten Objekten, ihren eingeformten Ideen zu folgen, sie aufzuspüren, herauszugreifen, sie unter der Hand zum Handlungsfaden zu spinnen, daraus Texturen zu weben, Texte zu formulieren… vorerst jedoch tappe ich noch im Dunkeln…
Jeder Griff setzt Begreifen in Gang, jeder Begriff ist Handlung, jede Skulptur ein Stück Welt für sich, der Raum selbst ein Abenteuer.

[aus dem Vorwort zum Katalog „Tastwege“, Krefeld 1995]




…Kunst kontrolliert die Grenze zwischen Kommunikation und Bewusstsein.
[Dirk Becker]







Letzte Aktuallisierung: 16.03.2016
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